Februar 2014

7. Sonntag im JK A - Gedanke für die Woche (PDF)

 

6. Sonntag im Jahreskreis A

Das Alte und das Neue zugleich

Immer wieder erleben wir, dass Jesus als ein mehr oder weniger sympathischer„Revoluzzer“, der sich vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit auflehnt, dargestellt wird, szs. als erster „Linker“, der alles Alte übers Bord werfen will, um eine völlig neue Lehre einzuführen. Vor allem in den sechziger Jahren ist diese Leseart der Person Jesu, wahrscheinlich als eine Art Selbstbespiegelung, aufgekommen.

Im heutigen Evangelium (Mt 5,17-37) hören wir ihn mehrmals sagen: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist, [...] Ich aber sage euch...“ (Mt 5,21.22) Das mag tatsächlich so klingen, als wolle Jesus alles, was vor ihm war, aufheben und durch eine neue, „eigene“ Lehre ersetzen. Das würde aber nur stimmen, wenn wir den ersten Satz seiner Rede vergessen machen könnten:„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ (Mt 5,17)

Wir leben zwar in einer Zeit, die das Neue mehr schätz als alles Alte, weil wir den Eindruck haben, dass die Entwicklung immer Fortschritt bedeutet und immer nur zu besseren Ergebnissen führt: neuere Handys sind bessere Handys, neuere Autos sind bessere Autos. Diese reale Erfahrung macht uns aber blind dafür, dass es auch negative Entwicklungen gibt, ja dass manchmal das Alte, das Bewährte besser ist als manche neue Experimente.

Jesus will das alte Gesetz nicht aufheben und für überholt erklären, sondern es vielmehr zu seiner ursprünglichen Intention, zu seinem wirklichen inneren Sinn zurückführen. Bei ihm sehen wir also, dass eine tiefe Kontinuität mit dem Alten (das Gesetz nicht aufheben, sondern erfüllen) mit einer lebensspendenden Diskontinuität, mit Erneuerung einhergeht: alles Verbogene will er wieder aufrichten (ich aber sage euch...). Es braucht also beides und in richtiger Mischung: das Stabile, Bewährte und Alte und sowie das Neue, Wandelnde und Bewegende.

An dieses Prinzip müssen wir immer wieder erinnert werden. Denn auch in unserer Zeit und gerade im geistlichen Leben erleben wir, dass es zwei Extrempositionen gibt.

Die eine will nur das Alte konservieren. Für sie muss alles so bleiben, wie es angeblich schon immer war. Es ist dies die Position der Traditionalisten in der Kirche, die den Wert der Neuerung und der Weiterentwicklung nicht sehen. Das Leben ist aber lebendig und es bewegt sich. Man muss alte und bewährte Inhalte und ewige Wahrheiten immer wieder in neuen Worten fassen und so weitergeben. Mit einer bloßen Wiederholung würden wir sie gerade veruntreuen. Eine blinde Kontinuität, die nur konservieren will, ist lebensfeindlich.

Es gibt aber auch eine zweite Extremposition, die in unserer Zeit wahrscheinlich noch gefährlicher ist, nämlich die der blinden Neuerung. Sie meint alles Alte für unwichtig und überholt erklären zu können und so dem Leben zu dienen, weil das Neue besser sei als das Alte. So aber hängt sie buchstäblich in der Luft, hat keinen Boden unter den Füßen und keine Wurzeln und somit auch keinen Bestand. Es ist dies die Position der liberalen Forderungskataloge (Zölibat weg, Ehe als Lebensbund zwischen Mann und Frau weg, eheliche Treue und Einmaligkeit wegusw. - es ist eine Tragödie, dass jetzt sogar manche Bischöfe die Lehre Jesu für überholt erklären...), welche glaubt, dass man alles nach Mode und Bedarf ersetzen kann, dass es allein auf das Neue ankommt ohne Rücksicht auf das Alte. Auch sie ist lebensfeindlich, weil sie jegliche Stabilität und Kontinuität für den Totengräber des Lebens hält. Das Leben aber kann nicht in der Luft hängen, es braucht Wurzeln, Stabilität und Kontinuität.

 

 

Es braucht also beides: das Neue wie das Alte, Kontinuität wie Neuansätze. Dies erleben wir gerade in der Kirche im Zusammenhang mit Papst Franziskus. Selbstverständlich gibt er viele neue Impulse und setzt neue Akzente, denn schließlich bringt er sich persönlich mit seiner ganzen so reichen seelsorglichen Erfahrung und Weisheit ein. Aber er tut es nie als Gegensatz oder Gegenprogramm zu dem, was vor ihm war. Er selbst betont immer wieder, wie dankbar er seinem Vorgänger Benedikt ist für seine Weisheit und seine Demut und dass er – gewiss ein eigener Weise – das weiterentwickeln will, was vor ihm gewachsen ist. Immer wieder aber wird Franziskus auf Diskontinuität reduziert – so wie Benedikt XVI. immer wieder auf bloße Kontinuität, auf bloßes Bewahren reduziert wird. (Allein der unerhörte Akt des Rücktritts zeigt, dass diese Interpretation ihm nicht gerecht wird.) Diese flachen Reduzierungen werden aber beiden Persönlichkeiten nicht gerecht.

Denn so werden die Erneuerungsimpulse von Benedikt nicht gesehen und die notwendige Verankerung von Papst Franziskus im ganzen Strom der Tradition der Kirche abgeschnitten. Auch für Franziskus gilt aber: Er will das Gesetz, das Göttliche und Bewährte nicht aufheben – das kann und darf er ja gar nicht und das will er auch nicht (auch da gilt sein berühmt gewordener Satz: „Wer bin ich“, um... das Gesetz zu ändern?) –, sondern das Gesetz erneuern, für den heutigen Menschen zugänglich machen und mit Leben erfüllen. Papst Franziskus ist darum bemüht, was der Herr im Evangelium „Erfüllung des Gesetzes“ nennt. Deswegen ist jedes Bestreben, ihn und seine Impulse mit denen seines Vorgängers gegeneinander auszuspielen grundfalsch. Lassen wir uns darin nicht beirren.

Unser Glaube braucht beides: das Alte und Bewährte wie auch das Neue und Frische, also Kontinuität und Erneuerung. Möge der Herr uns immer die Weisheit schenken, es zu verstehen, zu leben und auf diese Weise dem Leben dienen. Denn ein guter und treuer Diener des Lebens holt aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervor. (vgl. Mt 13,52)

 

 

5. Sonntag im Jahreskreis A

Salz der Erde, Licht der Welt, Stad auf dem Berg

Es kann ganz schön heikel sein, wenn ein Priester, der vom Umbauen der Küche mehr versteht als vom Kochen in der Küche, das heutige Evangelium auslegen soll. „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,13-14) Die heutigen Worte des Herrn sind wohl bekannt, aber nicht so einfach zum Verstehen. Was ist nun die Botschaft dieses Wortes?

Zuallererst soll uns bewusst sein, dass Jesus diese Aussagen nach den Seligpreisungen tätigt: „Selig, die arm sind vor Gott usw.“ (Mt 5,3f.) Vor allem die letzte Seligpreisung ist hier zu bedenken und als unmittelbarer Kontext zu berücksichtigen: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ (Mt 5,11-12) Zu diesen also, zu den um seinetwillen Verfolgten, zu den Treuen des Herrn sagt er: „Ihr seid das Salz, ihr seid das Licht.“

Warum? Weil sie in ihrem Zeugnis trotz Beschimpfung und Verfolgung, weil sie in ihrer Treue, die weiter reicht als nur bis zum Vorteilhaften und Angenehmen, ja die treu bleibt auch und gerade wenn es nicht günstig und angenehm ist, die Welt auf Gott hin aufreißen, sein Licht hereinlassen und seine Perspektive für den Menschen eröffnen. So wird die Welt zu einem menschengerechten Ort, zu einem wirklichen Ort des Lebens. Das ist die Botschaft der drei Bilder, die uns der Herr heute vor Augen stellt: Salz der Erde, Licht der Welt und Stadt auf dem Berg. Was können diese drei Bilder nun konkret für uns bedeuten?

„Ihr seid das Salz der Erde.“ (Mt 5,13) Salz der Erde sein heiß Geschmack geben, schmackhaft machen. Wir essen ja nicht nur, damit wir nicht sterben, aus einer Notwendigkeit heraus also, sondern auch, weil das gute, geschmacksvolle Essen viel mit der Schönheit des Lebens zu tun hat. Salz der Erde sein heißt also nicht nur die Notwendigkeit und die Mühe, sondern auch und vor allem die Schönheit, ja die Genießbarkeit des Lebens zu zeigen. Als Christen sind wir daher nicht reine Asketen, die nur das Notwendigste des Lebens suchen, sondern durchaus – im besten Sinne des Wortes – Genießer; Menschen, die wissen, worin die wahre Genießbarkeit des Lebens besteht.

Dazu gehört selbstverständlich auch, dass wir uns als Christen auf die Realität des Heute, auf die Fragestellungen und Zweifel des Menschen von heute einlassen. Dazu gehört es auch, dass wir nicht nur mit gehobenen Zeigefinger dem Menschen begegnen, sondern ihn zur Freude, zur Schönheit, zu wahren Genuss des Lebens einladen, zu einem Genuss, der einen selbst und seine Umgebung nicht zerstört, sondern schöner, schmackhafter werden lässt. Als Christen, als Salz der Erden wollen wir uns also nicht abschotten und absondern, sondern uns in den Topf mit allen Menschen werfen lassen und so allem Menschlichen den Geschmack des Christlichen verleihen.

„Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14) Licht sein heißt Sehen ermöglichen. Das Licht ist nicht für sich selber da, es soll nicht vor allem sich selbst sehen lassen, sondern leuchtet, damit man anderes sieht. Außerdem gilt: Direkt ins Licht schauen ist eher ungut, es kann verletzen.

Für uns Christen bedeutet es: Wir sollen den Menschen das Sehen möglich machen. Dabei gilt: Wir haben das Licht nicht aus sich selber heraus, sondern wir haben das Licht Christi, das uns in der Taufe geschenkt worden ist:„Empfange das Licht Christi!“ – sagt der Priester, nachdem die Eltern und Paten die Taufkerze von der großen Osterkerze entzünden. Nicht irgendein Licht haben wir empfangen, sondern das Licht Christi und dieses Licht wollen und dürfen wir weitergeben. Es gilt für alle, was das Zweite Vatikanum geschrieben hat: „Lumen gentium cum sit Christus – Weil Christus das Licht der Völker ist...“ (LG 1) Das Lichtsein der Kirche und auch unser eigenes Lichtsein ist dem Lichtsein des Mondes gleich: wir spiegeln lediglich das Licht Christi wieder. Und dieses Licht ist Hoffnung, dieses Licht ist Sinn, dieses Licht ermöglicht erst das wahre, schmackhafte, schöne Leben.

 

 

Somit kommen wir zum dritten Bild: Stadt auf dem Berg. (Mt 5,14) Eine Stadt, die auf dem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben, sondern bietet Orientierung. In den Zeiten Jesu gab es keine Navi-Geräte und auch Landkarten waren eher selten. Umso mehr hat man andere Orientierungspunkte gebraucht – Berge, Flüsse, Türme u.ä. So war auch eine Stadt auf dem Berg, die emporragt, ein hervorragender Orientierungspunkt.

Das ist es, wozu wir als Christen eingeladen sind: Durch unser schmackhaftes Leben, das wirklich das Schöne und Besondere zu sehen vermag, durch unser Leben, das im Licht Christi steht und das Sehen ermöglicht, werden wir für andere zum Orientierungspunkt, zu einem klaren und sicheren Punkt, der die Richtung weist und zur Erfüllung führt.

Das hat Kardinal Josef Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., in seinem berühmten Buch „Salz der Erde“ auf den Punkt gebracht als er sagte: „Für die Kirche ist es [...] sehr wichtig, daß sie sich nicht primär als einen Selbstverwaltungskörper versteht, der bestimmte Dienstleistungsangebote macht, sondern daß sie aus dem Nicht-Selbergemachten lebt, dieses treulich, dynamisch lebt, und damit dem ganzen Körper der Menschheit das gibt, was er aus eigenem Entscheiden gar nicht haben kann. Sie kann der Welt keine Befehle geben, aber sie kann in der Ratlosigkeit Antworten bereithalten.“

Das heißt: Orientierung geben, Geschmack verleihen und im Licht Christi das Sehen ermöglichen. Die Kirche als Licht, als Salz und als Stadt auf dem Berg ist nicht für sich selbst da, sondern hat eine Funktion für die ganze Menschheit, „für das Ganze, in das Ganze hinein, und ist nicht einfach eine Kopie des anderen“. Die Kirche muss sich gerade in der heutigen so miteinander verknüpften Welt „ihrer ganz spezifischen Sendung bewusst sein, gleichsam der Ausbruch aus dem Eigenen der Welt in das Licht Gottes hinein zu sein und den frei und offenzuhalten, damit die Atemluft in die Welt hereindringen kann“.

Denn nur mit Gottes Licht kommt das wahre Licht in die Welt herein, nur mit Gottes Schönheit kommt die wahre Schönheit, der wahre Genuss des Lebens auf die Erde herunter. So dürfen wir selber zu einer Stadt auf dem Berg werden, zu einem festen Orientierungspunkt, der anderen hilft, die Richtung hin zu einem Leben in Fülle zu finden.

In diesem Sinne wollen wir heute mit dem Schlussgebet beten:

Gott, du lässt uns teilhaben
an dem einen Brot
und dem einen Kelch.
Lass uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein
für die Welt.

 

 

 

Darstellung des Herrn

Der besondere Wert des geweihten Lebens

Das heutige Fest am 40. Tag nach Weihachten wurde schon Anfang des 5. Jahrhunderts im Osten gefeiert. Es ist also ein sehr altes Fest, das zudem viele Namen trägt: „Mariä Lichtmess“ – im Volksmund, „Darstellung des Herrn“ – in offiziellen liturgischen Büchern, „Opferung Jesu im Tempel“, oder „Reinigung Mariä“... In der Ostkirche trägt dieses Fest einen besonders schönen Namen:„Fest der Begegnung des Herrn“. Diese Fülle der Namen weist auf eine besondere Dichte des gefeierten Geheimnisses hin und auch auf eine gewisse Schwierigkeit, das Festgeheimnis mit einem Namen auf den Punkt zu bringen.

Klar bleibt, dass der Hintergrund des Festes das Ereignis der Opferung Jesu im Tempel ist, wie wir es im Evangelium eben gehört haben. (Lk 2,22-40)

Der Evangelist Lukas betont, dass Josef und Maria dem Gesetz des Herrn treu waren und genau das erfüllten, was nach der Geburt eines männlichen Erstgeborenen vorgeschrieben wurde. Es ist für uns heute nicht ganz leicht nachvollziehbar: Nach der alten Vorschrift des Mose (vgl. Lv 12,4) musste Maria als Mutter 40 Tage nach der Geburt des Sohnes ein Opfer der Reinigung darbringen. Da männliche Erstgeburt als Gottes Eigentum betrachtet wurde, haben Maria und Josef den kleinen Jesus Gott geweiht und die damit verbundene Opfergabe geleistet: fünf Schekel einem Priester übergeben. (vgl. Ex 13,12) Der kleine Jesus selbst wird hier also als ein Gottgeweihter erkennbar: Er, dessen Namen der Engel bereits bei der Verkündigung genannt hat, wird nun ausdrücklich Gott geweiht und als sein Eigentum dargestellt.

Bei dieser Weihe kommt es dann zu dem, was die östliche Liturgie „Begegnung des Herrn“ nennt: Gott begegnet im eigenen Sohn dem Volk der Verheißung. Der Herr hat seinem Volk die große Verheißung gegeben, von der wir in der ersten Lesung gehört haben: „Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht.“ (Mal 3,1)

Es sind zwei einfache Leute, der greise Simeon und die Witwe Hanna, die gegen alle Erwartung in diesem Kind die Erfüllung dieser Verheißung zu erkennen vermögen: „Meine Augen haben das Heil gesehen“ – sagt Simeon (Lk 2,30) und Hanna preist Gott und erzählt über das Kind allen, „die auf die Erlösung Jerusalems warteten“. (Lk 2,38) Das ist die Konsequenz der Begegnung des Herrn mit den Wartenden seines Volkes: Freude, Erfüllung, Lobpreis und Verkündigung.

Man kann fragen, wieso ausgerechnet diese zwei Menschen in der Lage waren, in Jesus das wahre Licht zu erkennen? Man kann fragen, wieso gerade sie die Stunde der Gnade wahrgenommen und die Begegnung des Herrn, die Darstellung des Heils erkannt haben? Von beiden wird direkt oder indirekt gesagt, dass sie wartende Menschen waren, Menschen der Erwartung. Sie waren – trotz des hohen Alters und des Reichtums ihrer Lebenserfahrungen – keine Zyniker, die nun wüssten, wie es lang geht und die nichts mehr überraschen könne. Es waren vielmehr Menschen, welche die Verheißung Gottes, die Zuversicht, dass es das wahre Licht wirklich gibt und welche die Hoffnung auf das Kommen des Herrn in ihrem gottgeweihten Leben, wachgehalten haben. Deswegen haben sie den Moment der Begegnung Gottes erkannt.

In den Gestalten von Simeon und Hanna bringt uns das heutige Fest den Wert des geweihten Lebens in der Kirche vor Augen. Wir haben ja in der katholischen Kirche vom Anfang an die Tradition der Ordensleute, der Mönche und der Nonnen, die nur für Gott leben. Es ist gut und es ist wichtig, dass es in der Kirche konkrete Menschen gibt, die ihr Leben ausdrücklich Gott weihen, die nur auf Gott hin leben und die Erinnerung der Verheißung wachhalten. Ihr Leben erinnert uns daran, dassdas Ziel des menschlichen Lebens nicht Erfüllung irgendwelcher irdischen Pläne und Erwartungen ist (Karriere, Selbstverwirklichung, Familie, Einzelglück),sondern die Begegnung mit Gott. In der Tat, der Mensch ist zu mehr berufen als nur zur Selbstverwirklichung etc. Er wurde von Gott zu Höherem geschaffen: er soll ihn sehen können, er soll in ihm die Vollendung finden.

 

 

Wie oft vergessen wir das in unseren so vielen und oft berechtigten Sorgen um das Irdische: ums Haus, um die Arbeit, um die Familienmitglieder..? All das ist gut und richtig und wichtig, aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch wir zu Höherem berufen sind, dass in unserem Herzen eine größere, mit Irdischem nicht erfüllbare Sehnsucht lebt. An diese Sehnsucht und daran, dass sie nur Gott erfüllen kann, erinnern uns die Gottgeweihten allein schon durch ihr Dasein.

Das Ordensleben wird in unserer Zeit entweder gar nicht wahrgenommen oder aber nicht verstanden oder lächerlich gemacht. In Filmen und Büchern gibt es fast nur noch schrullige und schrille Typen von Mönchen und Nonnen. Sie werden kaum als anziehende, sympathische Persönlichkeiten dargestellt. Natürlich gibt es auch unsympathische, komische oder gar eigenartige Ordensleute. Aber gerade wir Katholiken müssten doch wissen, dass es noch viel mehr liebenswürdige und treue Ordensleute gibt. Und wir sollen froh sein, dass es sie gibt, denn wir alle brauchen sie.

Ihre besondere Lebensform ist wie das Licht der Kerzen, die auf dem Altar brennen: Sie sind den Kerzen, die wir anderswo anzünden, sehr ähnlich: ihr brennendes Licht ist warm und schön... Und doch sind die Altarkerzen ganz anders: sie brennen nur für Gott, zu seiner Ehre; sie erinnern an sein Licht, an seine Wärme, an seine Nähe zu uns Menschen: „Denn meine Augen haben das Heil gesehen“. (Lk 2,30) In der Tat: wir, die wir mitten in den Sorgen der Welt leben, brauchen das Zeugnis der gottgeweihten Menschen, ihre ganz auf Gott ausgerichtete Lebensperspektive, die uns unsere hohe Berufung in Erinnerung ruft, das Heil Gottes zu sehen, sein Licht in uns zu tragen und die Erfüllung in ihm zu finden.

So wollen wir am heutigen Tag, der auch als „Tag des geweihten Lebens“begangen wird, Gott für die Gottgeweihten danken und bitten:

Gott, du Quell und Ursprung allen Lichtes,
du hast am heutigen Tag
dem greisen Simeon Christus 
als Licht und als Heil geoffenbart.
Segne die Ordensleute deiner Kirche,
damit sie zum Licht für uns werden
und führe uns alle
auf dem Weg des Glaubens und der Liebe
zu jenem Licht, das nie erlöschen wird.

(vgl. Gebet bei der Kerzenweihe)